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Informationen

1943

geboren in Bonn

1971 bis 1976

studiert Fotografie und Bildjournalismus bei Prof. Otto Steinert an der Folkwang Hochschule in Essen

1976 bis 2014

fotografiert die Arbeit des Tanztheater Wuppertal

veröffentlicht zahlreiche Publikationen zum Tanztheater Wuppertal

arbeitet an Veröffentlichungen des Tanztheater Wuppertal mit

2014

stirbt in Wuppertal im Alter von 71 Jahren


Biografie

Ulli Weiss,

geboren im April 1943 in Bonn, arbeitet zunächst von 1961 bis 1969 als Angestellte der Deutschen Lufthansa in Bonn und München, bevor sie 1969/70 als Assistentin von Prof. Otto Steinert an die Folkwang Hochschule für Gestaltung in Essen geht. Im Herbst 1971 beginnt sie bei Steinert ein Studium der Fotografie und des Bildjournalismus, das sie 1976 mit einem Examen über Freie Theaterensembles in Europa abschließt. Schon während ihres Studiums lernt sie in Essen Pina Bausch kennen und freundet sich mit ihr an. Nach ihrem Examen arbeitet sie als freiberufliche Fotografin und absolviert außerdem ein Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik.

Ein unprätentiöser Blick

Bereits ab 1976 fotografiert sie die Stücke des Tanztheater Wuppertal, eine Arbeit, die sie bis zu ihrem Tod fortsetzt. Sie ist die von Pina Bausch favorisierte Fotografin, die gerade in den frühen Jahren das Erscheinungsbild des Tanztheaters in den Medien prägt. Dabei gibt sie sich, auf ihre Bilder angesprochen, gern bescheiden: Sie sei eher eine Theater- als eine Tanzfotografin. Aber vielleicht gerade deshalb hat sie von Anfang an den richtigen Blick auf Pina Bauschs Werk: zurückhaltend und zugleich präzise. Sie versteht es, sowohl die Ästhetik des Tanztheaters einzufangen als auch dessen Emotionalität, durchaus auch in Bewegung. Dabei dominiert nie die Inszenierung der eigenen Perspektive, eher versucht sie, die Stücke von innen her zu erschließen und fühlbar zu machen. Ihr Blick ist unprätentiös und dennoch eindringlich. Ulli Weiss stellt nicht die eigene künstlerische Sicht ins Zentrum, sondern das Werk. Davon zeugen schon ihre frühen Publikationen wie Setz dich hin und lächle (1979, mit Texten von Ille Chamier) oder der großformatige Bildband Applausfotos (1984, mit einem Text von Raimund Hoghe).

Intime Beobachtung

Gerade in den intimen Beobachtungen am Ende einer Vorstellung, wenn Choreografin und Ensemble sich ihrem Publikum stellen, wird deutlich, welch revolutionäre Veränderungen sich hier vollziehen. Welche andere Nähe und Direktheit diese Arbeit sucht, welche neue Authentizität hier erzeugt und welch andere Humanität hier angestrebt wird. In den Gesichtern und von den Körpern lassen sich die überstandenen Kämpfe und die Erschöpfung ebenso ablesen wie die Gelöstheit und ein vorsichtig freudiges Gefühl, angekommen zu sein. Man hat sich verausgabt, hat etwas hergegeben von sich und zugleich eine Rolle gespielt. Diese Grenzgänge macht Ulli Weiss sichtbar, ohne dass ihr Blick zudringlich wird.

Pina Bausch schätzt ihre Arbeit und bezieht sie schon bald in das Team ihrer engsten Mitarbeiter:innen mit ein. Bis zu ihrem Tod ist Ulli Weiss an fast allen Publikationen des Tanztheaters – Festivalkatalogen, Buchveröffentlichungen und Programmheften – beteiligt. Daneben veröffentlicht sie weiter eigene Bücher, u.a. gemeinsam mit Raimund Hoghe, Anne Linsel und Peter Pabst, zeigt zahlreiche Einzelausstellungen u.a. in Mailand (Isadora Duncan, Pina Bausch. Danza dell’anima) und Frascati (Pina Bausch, la danza dell’anima) sowie immer wieder in Wuppertal. In ihrer Bewunderung für Pina Bauschs Arbeit bleibt sie ebenso ausdauernd wie unbeirrbar. 2010 wird sie mit dem Kulturpreis der Enno und Christa Springmann Stiftung ausgezeichnet.

Ulli Weiss stirbt Anfang Juli 2014 im Alter von 71 Jahren in Wuppertal.

Text von Norbert Servos


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