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Informationen

Spielzeit 1981/82Anfang der Arbeit mit Pina Bausch

Biografie

Bénédicte Billiet

Geboren 1954 im französischen Lille, beginnt 1968 ihre Ballettausbildung am Conservatoire National de Paris. Nach deren Abschluss nimmt sie 1972 für drei Jahre ein Engagement als Tänzerin beim Ballet de Lyon unter Leitung von Vittorio Biaggi an, bevor sie 1975 nach Paris zurückkehrt. Hier nimmt sie Unterricht bei Peter Goss, den sie als einen ihrer wichtigsten Lehrer bezeichnet und der sie in seine Kompanie aufnimmt. Gleichzeitig arbeitet sie mit anderen Choreographen, so etwa Dominique Bagouet, in dessen preisgekröntem Stück Chanson de nuit sie 1976 beim Wettbewerb in Bagnolet tanzt. Bei Claudine Allegra steht sie auf Spitze; mit Lauri MacLean lernt sie, sich wie eine Welle zu bewegen; mit Jean Gaudin zeigt sie eine Improvisation vor dem Centre Pompidou und mit François Verret erschließt sie sich den Bewegungskosmos der Kontaktimprovisation.

Wuppertal hin und zurück

In Paris arbeitet sie auch mit Dominique Mercy und kommt so in Kontakt mit dem Tanztheater. Die Begegnung mit den beiden Gluck-Opern Iphigenie auf Tauris und Orpheus und Eurydike sowie Die Sieben Todsünden in Wuppertal beeindruckt sie tief. Zwar kann sie sich noch nicht vorstellen, in der Kompanie zu tanzen, doch hat sie das Gefühl, eine Richtung gefunden zu haben, wie sie sich ausdrücken will. Zwei Jahre später geht zu einer Audition des Tanztheaters in Paris, doch Pina Bausch vermisst in ihr noch die nötige Klarheit. Erst weitere zwei Jahre später engagiert sie Billiet nach Wuppertal. In der Spielzeit 1981/82 gibt sie ihr Debut. Sie tanzt in Repertoirestücken wie Kontakthof und 1980 – Ein Stück von Pina Bausch, tastet sich allmählich in die Arbeitsweise hinein. Pina Bauschs Technik des Fragenstellens, die auch darauf abzielt, die ganz eigene Persönlichkeit jedes Einzelnen zum Vorschein zu bringen, ist für Billiet eine Herausforderung. Auch muss sie lernen, ihre Gefühlsintensität zurückzunehmen. Weniger, lautet das Motto, ist mehr. Es ist die hohe Kunst, eher etwas anklingen zu lassen als es explizit auszudrücken. Nur so bleibt dem Zuschauer genügend Raum, seine eigenen Assoziationen zu entwickeln. Bis 1989 wirkt Billiet an der Kreation von sechs Stücken mit: Walzer, Nelken, Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört, Two Cigarettes in the Dark, Viktor und Ahnen. Sie nimmt ein Sabbatjahr und kehrt 1990 danach als Assistentin zu Pina Bausch zurück. Die Arbeit ist spannend, aber auch sehr zeitintensiv.

Lange Auszeit und Rückkehr

1992 wird Bénédicte Billiet schwanger und nimmt diesmal eine lange Auszeit bis 2001, um sich ganz dem Familienleben zu widmen. Dann kehrt sie erneut als Assistentin sowie Co-Probenleiterin, insbesondere in Zusammenarbeit mit Jo Ann Endicott, zu Pina Bausch zurück. Kontakthof mit Damen und Herren ab 65 ist die erste Einstudierung, bei sie mitwirkt, wie später auch an Kontakthof mit Teenagern ab 14. Beide Stücke, mit Laien besetzt, stellen an die Probenleiter besondere Anforderungen. Naturgemäß kann das Augenmerk nicht auf tanztechnischen Finessen liegen, sondern sie müssen versuchen, den Geist dieser Arbeit zu kommunizieren und jeden einzelnen Darsteller in seiner besonderen Qualität zum Leuchten zu bringen. Dies gilt nicht weniger für die anderen Wiederaufnahmen mit den Profis des Tanztheaters. Immer geht es – neben der tanztechnischen Basis – darum, hundertprozentig präsent zu sein, als der Mensch, der man ist, mit allen Stärken und allen Schwächen. Die Stücke erschließen sich, indem man sie macht – richtig macht, nicht unter- und nicht überdosiert. Seit 2020 arbeitet Bénédicte Billiet freiberuflich. Gemeinsam mit ihrer Tochter Sophia Otto kreiert sie das Stück Entre-temps au grenier. Darin geht es weniger um eine Mutter-Tochter-Beziehung als um das Erkunden der eigenen Herkunft in unterschiedlichen Zeiten und unter verschiedenen Umständen: eine Suchbewegung in Zeiten des Übergangs.

Text: Norbert Servos


Galerie


Uraufführungen

Spielzeit 1981/82

Spielzeit 1982/83

Spielzeit 1983/84

Spielzeit 1984/85

Spielzeit 1985/86

Spielzeit 1986/87


Aus dem Archiv
Bénédicte Billiet

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