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Biografie

Pina Bausch

Am 27. Juli 1940 als Tochter einer Gastwirtsfamilie in Solingen geboren, entdeckt früh ihre Liebe zum Tanz, geht ins Kinderballett, wo ihr Talent erkannt wird. 1955 beginnt sie an der Essener Folkwangschule unter Leitung von Kurt Jooss, einem Pionier der revolutionären deutschen Ausdruckstanzbewegung der 1920er und 1930er Jahre, eine professionellen Tanzausbildung, die sie 1959 abschließt. Als wichtigste Maßstäbe nimmt sie aus der Zusammenarbeit mit Jooss – wie sie später formuliert – „Ehrlichkeit und Genauigkeit“ mit: Ehrlichkeit im Umgang mit der Wirklichkeit und Genauigkeit im Ausarbeiten der Form. Nach zwei Jahren in New York zunächst als Stipendiatin an der renommierten Juilliard School of Music, danach als Tänzerin beim New American Ballet und beim Ballett des Metropolitan Opera House, kehrt sie 1962 auf Bitten von Jooss als Solistin an das neu gegründete Folkwang-Tanzstudio nach Essen zurück. Sie arbeitet mit Jooss, Antony Tudor, Lucas Hoving, Hans Züllig und vor allem mit Jean Cébron. Mit ersten eigenen Choreografien erregt sie ab Ende der 1960er Jahre Aufmerksamkeit, darunter Im Wind der Zeit, für die sie beim Choreografischen Wettbewerb in Köln den Ersten Preis erhält.

Wuppertal

Es ist der neu berufene Intendant Arno Wüstenhöfer, der Pina Bausch zur Spielzeit 1973/74 als Choreografin an die Wuppertaler Bühnen beruft. Die Zeiten haben sich gewandelt. Das neu entstandene Regietheater hat auch die Erwartungen an den Tanz verändert. Mehr Wirklichkeitsnähe soll er zeigen, neue Formen entwickeln. Pina Bausch ändert den Namen ihres Ensembles von Ballett zu Tanztheater. Der Name ist Programm. Sie erprobt die verschiedensten Genres, nennt ihre Stücke Tanzoper, Revue, auch Operette, beginnt tänzerische und theatralische Mittel zu verbinden. Ihre choreografische Sprache ist unmissverständlich, klar. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Rolf Borzik, der bis zu seinem Tod 1980 die Kostüme und Bühnenbilder entwickelt, erschafft sie eine neue Ästhetik. Später setzt sie die Arbeit mit Peter Pabst (Bühne) und Marion Cito (Kostüme) fort. Gemeinsam mit den musikalischen Mitarbeitern Matthias Burkert und Andreas Eisenschneider findet sie immer wieder neue, ungewöhnliche Musiken für ihre frei collagierten Stücke, die in poetischen Bildern und Tänzen von den Ängsten und Sehnsüchten handeln, die Menschen umtreiben. Die Suche nach Liebe, Nähe und Geborgenheit wird zum zentralen Motiv für ihre Arbeit, für die sie eine neue Arbeitsweise entwickelt. Sie stellt ihren Tänzer:innen Fragen – 800 bis 1000 pro Stückrecherche – und komponiert aus 40 bis 50 Antworten ihre hochemotionalen, bewegenden Exkursionen ins Innere der Wünsche. Auch damit schreibt sie Tanzgeschichte.

Über 50 Stücke kreiert sie bis zu ihrem Tod 2009 und verschafft ihrer Arbeit Weltgeltung. Trotz anfänglicher Kritik gelingt es ihr, Tanztheater als neues Genre zu etablieren, das international die Tanzentwicklung beeinflusst. Für ihre revolutionäre Neubestimmung des Tanzes wird sie weltweit mit den höchsten Preisen und Ehrungen ausgezeichnet. Wie kaum einem anderen Choreografen im 20. Jahrhundert gelingt es ihr, dem Tanz neue Freiräume zu erschließen und ihn damit aus der Verpflichtung zum ‚schönen Schein‘ zu lösen und an die Wirklichkeit heranzuführen. Ihr stilbildendes Beispiel wirkt bis heute nach.

Text: Norbert Servos


Galerie


Stückentstehung

Spielzeit 1966/67
Fragment

Choreografie

Spielzeit 1967/68
Im Wind der Zeit

Choreografie

Spielzeit 1969/70
Nachnull

Choreografie

Spielzeit 1970/71
Spielzeit 1970/71
Spielzeit 1971/72
Spielzeit 1972/73
Wiegenlied

Choreografie

Spielzeit 1973/74
Fritz

Choreografie

Spielzeit 1973/74
Iphigenie auf Tauris

Bühnenraum und Kostüme, Choreografie

Spielzeit 1973/74
Zwei Krawatten

Choreografie

Spielzeit 1974/75
Spielzeit 1974/75
Spielzeit 1974/75
Fliegenflittchen

Choreografie

Spielzeit 1974/75
Spielzeit 1975/76
Wind von West

Choreografie

Spielzeit 1975/76
Spielzeit 1975/76
Spielzeit 1975/76
Spielzeit 1976/77
Komm tanz mit mir

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1977/78
Renate wandert aus

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1977/78
Café Müller

Choreografie

Spielzeit 1978/79
Kontakthof

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1978/79
Arien

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1979/80
Keuschheitslegende

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1979/80
1980 – Ein Stück von Pina Bausch

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1980/81
Bandoneon

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1981/82
Walzer

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1982/83
Nelken

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1983/84
Spielzeit 1984/85
Two Cigarettes in the Dark

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1985/86
Viktor

Choreografie

Spielzeit 1986/87
Ahnen

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1989/90
Palermo Palermo

Inszenierung und Choreografie

1989
Die Klage der Kaiserin

Choreographie, Drehbuch und Regie

Spielzeit 1990/91
Tanzabend II

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1992/93
Das Stück mit dem Schiff

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1993/94
Ein Trauerspiel

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1994/95
Danzón

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1995/96
Nur Du

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1996/97
Der Fensterputzer

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1997/98
Masurca Fogo

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1997/98
Herzog Blaubarts Burg

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1998/99
O Dido

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 1999/2000
Spielzeit 1999/2000
Wiesenland

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 2000/01
Água

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 2001/02
Spielzeit 2002/03
Nefés

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 2003/04
Ten Chi

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 2004/05
Rough Cut

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 2005/06
Vollmond

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 2006/07
Bamboo Blues

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 2007/08
'Sweet Mambo'

Inszenierung und Choreografie

Spielzeit 2008/09
Kontakthof. Mit Teenagern ab „14“

Inszenierung und Choreografie

Aus dem Pina Bausch Archiv
Pina Bausch


Uraufführungen

Spielzeit 1966/67
Spielzeit 1967/68
Spielzeit 1970/71
Spielzeit 1970/71
Spielzeit 1977/78
Spielzeit 1994/95

Getanzt in


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