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saison 1978/79Anfang der Arbeit mit Pina Bausch

Biographie

Beatrice Libonati

Die Italienerin Beatrice Libonati wird 1954 in Mons/Belgien als Tochter eines italienischen Bildhauers und einer belgischen Modedesignerin geboren. In Rom beginnt sie im Alter von zwölf Jahren ihr Studium an der Accademia Nazionale di Danza, das sie mit Abschlüssen in Tanz, Pädagogik und Choreographie abschließt. Außerdem studiert sie an der Universität La Sapienza nach dem Abitur ‚Lettere e Spettacoli‘. Es ist jedoch der Tanz, der von früh auf im Zentrum ihres Lebens steht. Schon am Anfang ihrer Ausbildung choreographiert sie gemeinsam mit ihren Mitschüler:innen kleine Stücke. Zu ihren Lehrer:innen zählen u.a. Harald Lander, Zarko Prebil, Margarita Trayanova, Aurel von Milloss, Luisa Grinberg, Juan Corelli, Steve Paxton, Jean Cébron, Giancarlo Bellini, Betty Jones und Fritz Lüdin (Limón-Technik), Fred Mertens, Achille Perilli (Bühnenbild), Margherita Abbruzzese (Bildende Kunst), Alberto Testa (Tanzgeschichte) sowie Massimo Coen und Mauro Bortolotti (Musik). 1975 bringt ihr Jean Cébron sein Solo Modèle pour un Mobile bei, das sie in der Gruppe I danzatori scalzi in der Akademie und auf Tournee tanzt. 1976-77 tanzt sie zahlreiche Solopartien in der zur Akademie gehörenden Gruppo Stabile und erarbeitet gemeinsam mit Perilli, Lucia Latour und Sylvano Bussotti Altro/Ics für das Theater Altro Spazio in Rom. 1977 tritt sie mit Mobile beim Festival in Spoleto auf, tanzt in Vivaldi von Giancarlo Bellini und wird 1978 mit einem eigenen Solo zum Festival nach Nancy eingeladen.

Über Essen nach Wuppertal

Schon lange ermuntert sie Jean Cébron nach Essen zu kommen, wo sie ein Stipendium erhält und mit Susanne Linke im Folkwang-Tanzstudio arbeitet. Schnell entdeckt Pina Bausch sie und engagiert sie 1978 an ihr Tanztheater Wuppertal, dem sie als Tänzerin und künstlerische Assistentin bis 2006 angehört. In Bauschs Blaubart – Beim Anhören einer Tonbandaufnahme von Béla Bartóks Oper „Herzog Blaubarts Burg“ wird die Judith zu ihrer Paraderolle. Aber auch in vielen späteren Stücke avanciert sie zu einem der prägenden Gesichter des Tanztheaters. Beatrice Libonati tanzt mit Hingabe, ohne ins Pathos abzugleiten. Dabei erscheint die kleine, zierliche Italienerin fragiler als sie ist. Tatsächlich verfügt sie über eine beträchtliche Kraft und Ausdauer und verleiht ihren Auftritten eine scharf konturierte Präsenz. Sie kann mädchenhaft unbeschwert wirken und ebenso von störrischer Beharrlichkeit. Gemeinsam mit ihrem Mann Jan Minarík zählt sie über viele Jahre zu den bedeutenden Protagonist:innen des Tanztheaters.

Die Vielseitige

Neben ihrer Arbeit mit Pina Bausch entwickelt sie ihre anderen Talente stetig weiter, kreiert zwischen 2001 und 2005 vier Soloabende für sich selbst, choreographiert international auch für andere Tänzer:innen und Gruppen. Eine ganze Serie von Soli und Duetten erschafft sie für die Tänzerinnen Elena Kofinà und Irina Castillo. Außerdem malt und musiziert sie. Insgesamt sieben Bücher mit ihren Gedichten und Skizzen veröffentlicht sie im Laufe der Jahre. 2012 und 2014 inszeniert der Florentiner Regisseur Aldo Redi di Criscio Gedichte von Libonati mit Schauspieler:innen für sein Theater Bausette. 2021 arbeitet sie als Choreographin mit dem neapolitanischen Regisseur Giuseppe Sollazzo an seinem Theaterstück Ascoltando un vecchio tango mi sono addormentato e ho sognato Pina Bausch, gezeigt beim Campania Festival, und kreiert für das Festival Paesaggi del corpo in Velletri ein Stück für vier Tänzerinnen. Der Titel ihres vorerst letzten Buches 2021 lautet Zwei Sterne warteten auf mich in Fiumicino, das sie bei einer Lesung mit Tanz und Gesang in der Wuppertaler CityKirche vorstellt.

Text: Norbert Servos


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